Dienstag, 09 September 2025 13:52

Tödliche Schüsse in Düsseldorf

Prozessauftakt nach den Schüssen nahe Hauptbahnhof Düsseldorf Prozessauftakt nach den Schüssen nahe Hauptbahnhof Düsseldorf Pixabay/Foto illustrativ

Ein Mann aus Kamerun starb im März nahe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs durch vier Schüsse. Nun hat vor dem Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Schon am ersten Tag kam es zu einer überraschenden Aussage, die den Verlauf der Verhandlung verändern könnte.

Inhaltsverzeichnis:

Aussage von Adel H. im Landgericht Düsseldorf

Der Uber-Fahrer Adel H., der das Opfer am Tattag beförderte, entlastete den Angeklagten deutlich. Er erklärte, dass der Angeklagte nicht zu den drei Männern gehörte, die ihn und seinen Fahrgast bedrängt hätten. Er sei sich „tausendmal“ sicher. Bereits bei zwei polizeilichen Befragungen hatte Adel H. dieselbe Aussage gemacht.

Staatsanwalt Markus Klein verwies darauf, dass es möglicherweise einen vierten Beteiligten gab. Hinweise auf eine Verwechslung werden durch Videoaufnahmen gestützt. Auf den Bildern sind zwei Personen erkennbar, die sich dem Uber nähern, bevor die Schüsse fallen.

Angeklagter Ferhat T. und seine Vorgeschichte

Der 24-jährige Ferhat T. aus dem Saarland ist kein Unbekannter. Bereits 2019 wurde er wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Nun drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft und anschließende Sicherheitsverwahrung.

Am Prozesstag wirkte er teilnahmslos. Er beantwortete nur wenige formale Fragen. Seine äußere Erscheinung passte nicht zur Beschreibung von Adel H., der einen kleineren, dickeren Mann ohne Bart oder Brille gesehen haben will.

Opfer aus Kamerun und mögliche Motive

Das Opfer war ein 49-jähriger Mann aus Kamerun. Die Düsseldorfer Polizei ermittelte bereits mehrfach gegen ihn wegen Geldfälschung, Betrug und illegalen Aufenthalts. Er war zudem zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben.

Ein mögliches Motiv wurde am ersten Prozesstag nur am Rande erwähnt. Eine Frau habe während des Streits von 5000 Euro gesprochen, die der Fahrgast angeblich schuldete. Ob es sich dabei um den Grund für die tödliche Auseinandersetzung handelt, blieb offen.

Wichtige Eckpunkte

  • Tat: 12. März in Düsseldorf
  • Opfer: 49 Jahre, Kamerun
  • Angeklagter: 24 Jahre, Saarland
  • Vorwurf: Totschlag, illegaler Waffenbesitz
  • Beweismittel: Tatwaffe, Zeugenaussagen, Videoaufnahmen

Widersprüchliche Zeugenaussagen

Am ersten Verhandlungstag sagten neben Adel H. zwei weitere Zeugen aus. Ein Uber-Fahrer und ein Mann, der die Tat vom Café Times aus beobachtet haben will. Ihre Beschreibungen wichen voneinander ab.

  • Ein Zeuge sah eine schwarze Jacke
  • Ein anderer sprach von einer braunen Jacke
  • Adel H. erinnerte sich an eine helle Jacke ohne Kapuze

Diese Unterschiede nähren die Vermutung einer Verwechslung. Die Frage, wie zuverlässig Aussagen ein halbes Jahr nach der Tat sind, steht im Mittelpunkt des Prozesses.

Festnahme in Wetzlar

Am 25. März wurde Ferhat T. bei einem Polizeieinsatz in Wetzlar festgenommen. Einsatzkräfte griffen in einem Gewerbegebiet ein, nachdem mehrere Personen einen 34-Jährigen mit einer Schusswaffe bedroht hatten. Vier Verdächtige im Alter von 20 bis 55 Jahren wurden verhaftet, darunter eine 47-jährige Frau und ein 55-jähriger Mann.

Der damals 23-jährige Hauptverdächtige leistete erheblichen Widerstand und verletzte sich leicht. Erst später stellte sich heraus, dass er im Zusammenhang mit den Schüssen in Düsseldorf gesucht wurde.

Weitere Verhandlungstage

Das Verfahren ist auf acht weitere Termine bis Mitte November angesetzt. Dabei sollen zusätzliche Zeugen und Überwachungsaufnahmen ausgewertet werden. Die zentrale Frage bleibt, ob Ferhat T. tatsächlich der Schütze war oder ob ein weiterer Täter beteiligt war.

Quelle: nrz.de, www.milekcorp.com/de/